Macht mich „BlingBling“ schneller oder besser?

Diese Frage, oder auch „wieviel BlingBling“ ist notwendig bzw. hübsch oder zulässig“ wird immer wieder an Stammtischen, Rennstrecken oder Biker Treffs diskutiert. Zunächst sollte mal geklärt werden, was ist „BlingBling“ eigentlich? Man kann es durchaus mit dem Schmuck an einer wunderschönen Frau vergleichen. Sie ist ja sowieso wunderschön, aber mit Schmuck gefällt sie sich bzw. anderen oft doch um den einen „Zacken“ besser. Außerdem ist es ja ein individueller Schmuck und macht sie somit einzigartig. Okok, der Vergleich hinkt hier etwas, da eine Frau ja per se schon einzigartig ist, aber ich denke, Dir ist klar, worauf ich hinauswill, oder? Bei einem Motorrad verhält es sich ganz ähnlich. Wir bekommen unser heiß ersehntes Moped vom Händler und sie (ja, ein Motorrad ist immer feminin) hat nichts, das sie von der da drüben, ihrer „Schwester“, unterscheidet. Abgesehen vielleicht das Kennzeichen und die Gewissheit, meine zu sein. Aber um Letzteren auch einen gewissen Ausdruck zu verleihen, kann ich nun warten, bis sie die ersten unvermeidbaren Kampfspuren erhält, oder ich verpasse ihr etwas BlingBling. Einen eloxierten Tankdeckel, Handguards, Ölfilterdeckel, manche lieben kleine, stylishe Blinker oder verchromte Spiegel. Der Fantasie sind ja hier keine Grenzen gesetzt und auch der Markt liefert hier für fast jeden Geschmack die passende Lösung, um das schwer verdiente Geld wieder in die Wirtschaft zu pumpen und unser Mopal noch individueller, noch schöner, eben noch geiler zu machen.
Die Intentionen für das „MakeUp“ sind anfangs so unterschiedlich, wie sie doch eigentlich wieder komplett gleich sind. Der Eine nennt es Tuning, da die neuen Teile ja leichter, weniger Luftwiderstand und viel härter sind, der Andere wiederum meint „es schaut einfach geil aus“. Im Endeffekt will jeder sein Moped personalisieren, einzigartig machen und unmissverständlich zeigen „DIE gehört MIR“. Und natürlich freut sich jeder von uns, wenn auch andere stehenbleibe und sagen „Die ist geil!“ Wenn das jemand verneint, dann lügt er / sie oder hat es einfach noch nicht erlebt und sollte dringend mal an der Optik seiner „Rupfn“ arbeiten.

Ich persönlich bin ja Anhänger der letzteren Kategorie, da ich nicht der Meinung bin, dass (bis auf einige Ausnahmen) die eloxierten Teile in Race Optik tatsächlich auch nur ansatzweise besser funktionieren. Ein in modischem Orange (es muss natürlich RAL 2009 sein) gehaltener Bremsflüssigkeitsbehälterdeckel aus eloxiertem Aluminium hat keinen nennenswerten technischen Mehrwert gegenüber dem ab Werk verbauten schwarzen Plastikdeckel – außer eben das er einfach nur geil aussieht. Ähnlich verhält es sich mit dem Kupplungsflüssigkeitsbehälterdeckel, dem Ölfilterdeckel, der Zündungsdeckelschraube, den Ventilkappen, usw., aber natürlich kann ich das so nicht zugeben. Die 0,7 Gramm erspartes Gewicht bei den Ventilkappen reduziert die rotierende Masse des Rades und erhöht somit die Laufruhe und die Fahrsicherheit (dass das absoluter Schwachsinn ist, ist glaub ich unnötig zu erwähnen, aber es gibt dem irrationalen, emotionalen „einfach geil“ ein bisschen was von wissenschaftlicher Erlaubnis). Bei den Deckeln der Ausgleichsbehälter am Lenker ist es sogar noch eindeutiger. Das veränderte Gewicht wirkt sich auf jeden Fall positiv auf die Lenkerstabilität aus und ermöglich so beim nächsten Rennen von einer roten Ampel zur nächsten den sicheren Sieg. Einige meiner Motorradkollegen reden sich selbst (und anderen) mit sich in Grenzen haltendem Erfolg ein, das diese Tuningteile tatsächlich Gewicht sparen und somit in Summe unter anderem auch wirtschaftlicher wären. Auf meine Frage, was ich denn noch so alles machen könnte, um mein damaliges Baby schneller zu machen, wurde mir  in einem Motorradshop meines Vertrauens erklärt: „Nimm 5 Kilo ab, was glaubst wie die auf einmal geht!“ Mein empörtes Gesicht nahm er zum Anlass, seinen Exkurs fortzusetzten. „Um 5 Kilo einzusparen, musst ein paar Tausender ausgeben. Wennst abnimmst, sparst Dir Geld, das kannst ins Mopal stecken!“ Ich muss zugeben, ich fand und finde immer noch keine Schwachstelle in der Aussage, wenngleich es mittlerweile wohl eher 10 Kilo sind, aber dafür hab ich nun auch mehr PS – Ha!
Aber zurück zur eingangs gestellten Frage – macht uns „BlingBling“ schneller“? Dies kann nur mit JA beantwortet werden. Natürlich macht es uns nicht primär schneller, also im Sinne von Tankdeckel montieren und zack, um 10 Sekunden schneller übern Exelberg oder plötzlich spring ich den Table aus. Aber über längere Sicht macht uns „BlingBling“ schneller, da wir uns noch lieber auf unser Mopal setzen und noch mehr damit fahren. Somit noch mehr Übung bekommen und dadurch wie von selbst geübter, sicherer und somit „besser“ werden.
Und last but not least gibt es auch die Situation, das ein Teil des Mopeds verletzt wird und ersetzt werden muss. In diesem Fall könnte ich mich für das ganz normale „Ab Werk“ Teil oder für ein schöneres, nicht alltägliches Werksersatzteil entscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier eine ernsthafte Fragestellung gibt, wie die Entscheidung zu lauten hat, oder?
Natürlich gibt es auch echte technische Tuningteile, die nebst der herausragenden Optik auch wirklich technische Vorteile / Verbesserungen mit sich bringen (z.B. verstellbare Gabelbrücke, div. Auspuffanlagen, Rallye – Scheinwerferanlagen, etc. – diese Liste kann noch lange fortgesetzt werden), die sind aber nicht Thema dieser Abhandlung.

Fazit: BlingBling macht mich indirekt schneller bzw. besser, da ich mich mit noch mehr Freude öfter und länger auf mein Mopal setze und somit auf Grund der Mehrübung sicherer, geübter, schneller, versierter, besser, etc. werde. Zulässig ist alles, was Dir gefällt. Keiner hat das Recht, Deinen Geschmack in Frage zu stellen bzw. zu kritisieren. Solang Dein Mopal Dir gefällt, ist’s geil, auch wenn sie mir vielleicht nicht so gefällt –ist aber eh egal, oder?

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